lehmboden verbessern

Die Lehm-Challenge

… oder: Die Harzgärtnerin auf dem Weg zur blühenden Landschaft

Wenn Du Lehmboden in Deinem Garten hast, kannst Du Dich zunächst erst einmal glücklich schätzen. Denn lehmiger Boden ist im Prinzip ein Segen für die allermeisten Pflanzen – egal ob Gemüse oder Stauden. Damit diese aber wirklich glücklich werden, musst Du den Lehmboden in deinem Garten allerdings verbessern – ihn sozusagen aufhübschen. Das kann zu einer schweißtreibenden Aktion ausarten. Aber es lohnt sich, meine ich. Ich zeige Dir hier, was ich die letzten Tage angestellt habe. Doch zunächst ein paar Basic-Infos.

Was ist das Gute an lehmigem Boden? Lehmboden kann – im Gegensatz zu einem sandigen Boden oder torfiger Erde – viel Wasser speichern. Diese Eigenschaft kommt Dir als Gärtner oder Gärtnerin zu Gute, wenn Du bei heißem Wetter nicht jeden Tag mit der Gießkanne über Deine Ländereien rennen willst, lieber im Liegestuhl döst oder Dir einen kühlen Drink genehmigst. Im Lehm finden sich zudem eine Menge Mineralteilchen unterschiedlicher Größe, welche die Wurzeln deiner Pflanzen mögen.

Doch beim Lehmboden ist es wie in der Medizin: Zu viel des Guten verdirbt den Spaß. Sehr lehmige Erde lässt kaum Platz für Luft. Diese brauchen die Wurzeln Deiner Pflanzen und die Bodenlebewesen, welche sich im Gartenboden rumtreiben und Gutes tun. Lehmboden neigt sogar dazu, zu verdichten  – Wasser kann dann oft nicht mehr richtig versickern, Wurzeln finden keinen Platz, sich auszubreiten.

Ist es lange trocken, kann Lehmboden knüppelhart und rissig werden. Beim Versuch, einen solchen trockenen Lehmboden aufzulockern, wirst Du wahrscheinlich Dein blaues Wunder erleben. Da kommst Du nämlich ohne Spitzhacke nur ein paar Zentimeter rein. Du kannst Dir vorstellen, dass auch die Blumen davon wenig begeistert sind. Auch schlecht: im Frühjahr erwärmt sich Lehmboden nur sehr langsam – die Pflanzen  wachsen nur zögerlich – das willst Du ja auch nicht.

Alles in allem genügend Gründe, Lehmboden weder zu verdammen noch ihn einfach hinzunehmen. Das Zauberwort heißt “Bodenverbesserung”! Ein guter Gartenboden hat von allem genügend – und in der perfekten Zusammensetzung: Lehmige Bestandteile für Wasserspeicherung und Kompaktheit, Sand für Luft und Lockerheit und Humus für Nährstoffe. Und genau diesen Mix wollen wir hinkriegen.

Für die ersten Urlaubstage hatte ich mir vorgenommen, den viel zu vielen Rasen im Harzgarten etwas zu dezimieren. Ich wollte Platz für ein Staudenbeet schaffen, dessen hoffentlich üppige Blütenpracht ich dann im nächsten Jahr von meiner Terrasse aus besichtigen will. Schau mal hier auf meinen groben Gartenplan bei F, wo genau der Ort des Geschehens ist. Ein Stück des Rasens hatte ich schon bearbeitet, jetzt sollte das ganze größer und in Form gebracht werden.

Die Form des künftigen Beetes habe ich mit dem Gartenschlauch skizziert und mit dem Mann diskutiert. Er hat dann noch einen Meter dezimiert, was mir später ganz recht war.

Mit dem Spaten habe ich die Außenränder des Dreiecks erst einmal abgestochen. Den Rasen kannst Du nun auf verschiedene Arten beiseite schaffen. Eine Möglichkeit ist, bei jedem Spatenstich die abgestochene Rasenscholle einfach um 180 Grad zu wenden und mit dem Gras nach unten ins Beet fallen zu lassen. Zum Schluss wird dann oberirdisch alles durchgegrubbert – und fertig. Wenn Du wie ich danach noch Pflanzen einsetzen willst, ist diese Methode eher kontraproduktiv. Denn beim späteren Buddeln der Pflanz-Löcher wühlst Du das Gras wieder schön nach oben – und der Rasen wächst weiter. Außerdem wollen wir ja noch den Lehmboden verbessern – da kommen wir so einfach leider nicht davon.

Die etwas aufwändigere Methode geht nicht ohne Schweiß, Tränen und Muskelkater. Nimm Dir diese Aktion gut ausgeschlafen und gefrühstückt vor und lass sie lieber sein, wenn draußen 30 Grad im Schatten sind. Mein Lehmboden war durch den Regen der letzten Tage besonders gut vollgesogen (Du erinnerst Dich – Wasserspeicher!) – dadurch schön schwer und klebrig. Dieser Zustand – so befand ich – ist immer noch besser als trocken und knüppelhart.

Rasensoden entfernen und stapeln

Also frisch ans Werk: Spaten richtig tief einstechen, eine Scholle Erde ausheben, nur um 90 Grad kippen. Dann mit einem beherzten Spatenhieb etwa die Hälfte der Erde von der Rasensode abstechen. Der Rasenrest bei mir war nun etwa fünf bis acht Zentimeter dick – und immer noch pro Stück geschätzte fünf bis acht Kilo schwer. Jede Rest-Rasenscholle landete erst einmal auf die bereitgestellte Schubkarre.

Die Rasensoden (so der fachmännische Ausdruck) stapelte ich später in einem anderen Gartenteil zu einer Art Hünengrab auf – die Grasseite immer schön nach unten, die Wurzelseite gen Himmel. Das “Hünengrab” wird am Ende mit einer dicken dunklen Folie abgedeckt – und in einem Jahr ist das Gras-Lehmgemisch hoffentlich schöne krümelige Gartenerde. Du kannst die Rasensoden natürlich auch auf deinen Komposthaufen lagern (Gras nach unten, Wurzeln nach oben) – aber der wäre ziemlich schnell voll.

Wenn Du auf diese Art Dein künftiges Staudenbeet komplett vom Rasen befreit hast, machst Du am besten eine längere Pause oder gönnst Dir einen schönen Abend im Kino. Möglicherweise pennst Du auch völlig fertig schon nach dem Abendessen auf der Couch ein.

Womit Lehmboden verbessern?

Am nächsten Tag oder wenn Du wieder fit bist, geht es an die Bodenverbesserung. Du erinnerst dich: das klebrige, schwere Lehmzeugs soll zu schicker Gartenerde mutieren: feinkrümelig, locker-fluffig, trotzdem satt und standsicher – perfekt für blühende Landschaften. Dafür sind verschiedene „Stoffe“ geeignet.

Die beste, weil preisgünstigste Wahl ist gut abgelagerte, durchgesiebte Komposterde aus dem eigenen Garten. Dazu musst Du allerdings ein Jahr vorher schon eine Komposthaufen angelegt und diesem im Frühjahr durchgesiebt haben – auch eine anstrengende Angelegenheit. Ich hatte noch etwas von diesem schwarzen Gold, auch die Nachbars spendeten noch zwei Schubkarren davon. Das reichte allerdings nicht für mein Staudenbeet.

Deshalb habe ich zwischendurch noch eine Baumschule in der Nähe erkundet. Neben ein paar Blümchen und Sträuchern erwarb ich dort noch zwei 80-Liter-Säcke „Waldhumus“. Dieser laut Packungsaufdruck „Bodenhilfsstoff“ soll komplett torffrei sein. In der Tüte ist ein schwarz-braunes Krümelzeug, was wirklich nach Wald und moderigem Holz riecht. Hast Du solchen Waldhumus nicht zur Hand, kannst Du auch Gartenkompost oder Pflanzerde aus dem Baumarkt nehmen. Allerdings werden viele dieser Produkte mit Torf hergestellt – besser für Boden und Umwelt wäre ohne. Achte außerdem darauf, dass das gekaufte Zeugs möglichst ungedüngt ist. Die meisten Stauden brauchen erst einmal keine zusätzliche Düngung, im vorhandenen Lehmboden sind genügend Nährstoffe.

Als Futter für künftige Bodenlebewesen, die sich hoffentlich bald in Deinem Lehmboden tummeln werden, kannst Du eventuell zusätzlich noch eine Tüte Hornspäne mitnehmen. Hornspäne werden (Vegetarier bitte  weghören) aus Hörnern und Hufen von Schlachttieren hergestellt und sind ein natürlicher Langzeitdünger – die Hornspäne zersetzen sich nur sehr langsam im Boden und geben dabei Stickstoff als Nährstoff ab. Wenn man nicht mehr alle hat, kann man auch Finger- und Fußnagelschnipsel sammeln, sollte das aber nicht rum erzählen bzw. sich dabei erwischen lassen, von Dauer und Effektivität ganz zu schweigen. ;-)

Wie aus Lehmboden feinkrümelige Gartenerde wird

Die dicksten Lehmbrocken am besten vorher schon mit Spaten, Grubber oder per Hand zerkleinern. Den Inhalt der Tüten und Schubkarren verteilst Du auf Deiner umgegrabenen Fläche. Wie beim Kuchenbacken wird nun alles untergehoben. Dazu kannst Du wieder Spaten oder Grabegabel nehmen. Ich nutze dazu auch meinen „Erdquirl“. Ich habe keine Ahnung, wie das Teil in echt heißt – er war schon da, als wir den Garten kauften. Es besteht aus einem Stiehl mit querliegendem Griff. Unten dran sind vier, im Quadrat angeordnete Metall-Dorne, deren Enden zusätzlich gebogen sind. Die Handhabung ist einfach und effektiv: Man rammt den Quirl in die gelockerte Erde und dreht oben am Griff – die Erde wird wunderschön durchgemischt. Und genau das soll sie ja auch: Unser umgebuddelter Lehm soll sich möglichst gut mit den aufgestreuten Kompost und Humus vermischen.

Wenn Du bei dieser Misch-Aktion noch Unkraut-Wurzeln ans Tageslicht beförderst – fische möglichst viel davon raus. Das erspart die später, wenn die Blümlein wachsen und gedeihen, mühsames Jäten.

Am Ende sollte bei der Lehmboden-Verbesserungsaktion luftig-lockere Erde entstanden sein – möglichst feinkrümelig, ohne Unkraut, Steine oder große Erdbrocken. Bei mir wurde das wegen des mega-schweren und nassen Lehmbodens eine mehrtägige Aktion inklusive Muskelkater und Rücken-Aua. Aber ich habe das überlebt und relativ gut hinbekommen, denke ich mal. Was ich mit diesem Stück feiner Gartenerde angestellt habe, zeige ich Dir dann demnächst.

6 Kommentare zu “Die Lehm-Challenge

  1. o je hab sowas von Lehmboden und das mit 70 hinbekommen ist nicht zu schaffen. Hab den Garten erst ein knappes Jahr. Kannte das Problem nicht. und eine Gartenfirma kann ich mir von meiner kleinen Rente nicht leisten. Habe vorgestern nach dem Regen ein kleines Stück umgegraben so mit Grasabhacken. Heute ist der Boden ein Steinmeer.

  2. Ich denke der besagte “Quirl” ist eine Gartenkralle, so eine habe ich mir jetzt auch gekauft. Wenn man nicht so kräftig ist und auch mit Lehmboden gesegnet, dann ist das wirklich ein sehr hilfreiches Ding…

  3. Hi, das hast du gut erklärt. Uns steht das für 220 m² bevor. Also keine kleine Fläche. Nun noch die Frage, wie tief der Boden umgegraben werden sollte. Ich kann mir vorstellen, dass nur oberflächliches Umgraben nicht viel nützt. Und P.S. Was ist aus deiner Fläche geworden? Ist alles gut angewachwsen?

    Gruß
    Katrin

    1. Danke, Karin. Das Staudenbeet steht nun schon ein paar Jahre. Die Pflanzen gedeihen prächig – ein Rittersporn darauf ist ein regelrechtes Monster geworden… Wie tief umgegranben werden muss, hängt sicher davon ab, wie sehr der Boden verdichtet ist und wie lehmhaltig er ist. Bei starker Verdichtung gibt es oft Staunässe – das bekommt vor allem zarten Pflänzchen nicht so gut… Ich hab einen guten Spaten tief umgegraben – und Teile des schwerden Lehms entfernt. Inzwischen mische ich bei neuen Flächen auch Sand darunter. Wichtig ist aus meiner Erfahrung ist außerdem, dass man bei solchem Lehmboden nach der Erstbearbeitung regelmäßig Humus und Kompost aufbringen sollte. Und Mulchen (Grasschnitt, Sträucherhäckselzeugs etc.) macht sich auch gut, um die Lockerung zu erhalten. Ich wünsch euch Kraft und Spucke – Stück für Stück wird das was! :-)

  4. Hallo Harzgärtnerin,

    ich hatte kürzlich auch jede Menge Grassonden zu entfernen. Anfangs habe ich das mit einem Spaten gemacht, später mit einem Dreizack, aber am besten ging es mit einem abgewinkelten Dreizack. Durch einen Zufall habe ich sogar zwei davon und derjenige mit dem schwereren Stiel ging besser. Wie einen Golfschläger rammte ich die Zacken von der Seite flach in die Graswurzeln und konnte die Grassonde (ohne mich zu bücken) durch Hebelbewegungen lösen. Mein Rücken danke es mir und so war ich am Ende schneller als am Anfang.

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    Ich wünsche Dir und Deinem Harzgarten alles Gute

    Karsten

  5. Diesen Beitrag zu lesen, war wie ein Deja Vu für mich. Ich habe exakt das gleiche die letzten 3 Wochen gemacht. Die Bearbeitung ging wirklich nur in dem ganz nassen Boden. Trocken ist er wie Beton. Ich habe die Grasschicht mit einer Gartenschippe oben abgetrennt und teilweise damit Ränder an anderen Stellen aufgefüllt, bei denen ich einen schöneren Übergang wollte. Der Rest ging in den Kompost. Ich musste einen zweiten dazustellen, so viel war es. Umgraben übernahm mein Mann, ich hatte nicht die Kraft dazu. Aufgefüllt habe ich dann mit torffreier Blumenerde aus dem Baumarkt und alles schön vermischt. Habe bisher nur Himbeeren gesetzt, aber das ging super. Die Erde war perfekt vorbereitet. Der Rest kommt erst nächstes Jahr. Es war megaanstrengend und ich habe oft total fertig auf der Wiese gesessen und war den Tränen nah. Aber ich bin fertig und total stolz.

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